Literatur

 

 

Spiel'n Se ma' was Flottes

Unter diesem Titel ist vor kurzem mein neues Buch im DVO Verlag erschienen. (www.dvo-verlag.de)
Es enthält Satiren, Gedichte und Geschichten sowie gesammelte Anekdoten aus der Musikszene und ist über den Buchhandel erhältlich.
Paperback, ISBN: 3943037002, 12,90 Euro

Klappentext:
Warum ist das »kleine Schwarze« niemals groß, könnte aber dennoch »kleines Buntes« heißen? Und warum fehlt in Mozarts »Kleiner Nachtmusik« in der Telefon-Warteschleife meist der Mittelteil? In Anekdoten, Gedichten und Glossen über die Unsäglichkeiten des Lebens ist Dietmar Lex diesen Kuriositäten einmal auf den Grund gegangen. Die Geschichten aus dem vielseitigen Leben des Autors sind zum Teil live in Konzertsälen, Theatern und an anderen interessanten Orten entstanden. Die zahlreichen Illustrationen sind sozusagen »Livemitschnitte«, durch die Feder des Autors häufig während der Veranstaltungen gefertigt, und erzählen vom wahren Leben.

Eine Leseprobe finden Sie weiter unten!

 

Mein erstes Buch "Hannover mit dem Zeichenstift erfahren" ist seit 15 Jahren nach wie vor im Handel (80 Seiten, gebunden, Zeichnungen aus meiner Heimatstadt mit Texten von Peter Risch).

Außerdem möchte ich Ihnen zwei Bücher vorstellen, die nicht aus meiner Feder stammen. Diese beiden Bücher sind Werke meines Musikerkollegen und Textautors Peter Risch. Es sind äußerst geschliffene Aphorismen und satirische Gedichte. Auch hier biete ich Ihnen eine Leseprobe an.

Hannover - Buch
Auflage leider vergriffen





Die Partitur

Zu zwanzig Stimmen und bisweilen
hier und da noch ein paar mehr
schrieb jener Komponist die Zeilen
für des Gehörganges Verzehr.
Auf den ersten Blick beträchtlich
des spät’ren Vortrags eingedenk
urteilt der Dirigent verächtlich:
„Rein grafisch furchtbar ungelenk!
Kraus und wirbelig verdreht
ist das Klangartallerlei.“
Spricht’s unnahbar brüsk und geht
an Terz- und Quartfiguren flugs vorbei.


Doch siehe, im Verlauf der Rutschpartie
zwischen Baß- und Schlagzeugschlüssel
steigert sich die Melodie
durch Schläge auf die Paukenschüssel.
Von Geigen säuberlich akzentuiert,
in Zeile acht höchst interessant
findet man das Horn plaziert,
virtuos im Klanggewand.
Danach folgt die Dominante,
ausgeführt beim Bratscherwesen,
trefflich an der Seitenkante
markiert und deshalb schwer zu lesen!


Im Gegensatz zur Klarinette
setzt das Blech den Kontrapunkt,
wenn es mit Flöten um die Wette
handsigniert dazwischenfunkt.
In einer weiten Hauptsequenz,
die Takt achtundvierzig schmückt,
erhebt sich die Fagottpräsenz,
was Aug’ und Ohr gleichwohl verzückt!
Sorgsam schwebend ritardando
hat der Meister Fuß gefaßt.
Und die Harfe spielt glissando,
was der Fingernagel haßt!


Gegen Ende dieser Phase
wird der B-Teil eingeläutet.
Der Dirigent rümpft sich die Nase,
was wohl dies Notenbild bedeutet?
An Bögen, Strichen, Punkten reich
kreuzt sich die Kreativität
einem Pullovermuster gleich,
ob das der Posaunist versteht?
Und dann noch diese Ornamente,
die das Piccolo so liebt
im Ausdruck leicht l’istessamente
obwohl’s dies Wort doch gar nicht gibt!


Die Hauptmotive werden jetzt
zu Schlußakkorden aufgetürmt.
Das Große Werk – tutti besetzt –
erlebt durch Beckenschlag beschirmt
furioso das Finale.
Die Notenschrift wird deutlich dichter,
pathetico beim erstenmale
die Wiederholung etwas schlichter!
Der Ausgang dieser Erlesenheit
macht auf den zweiten Satz gespannt,
hat anfangs doch Bedenklichkeit
den ersten Teil kritisch verkannt.


Uns’re Skepsis wird zerstreut
durch ein wunderbares Relief,
das der Autor konterfeit
für das Glockenspiel in F.
Die Seite war herausgerissen
und mühsam wieder eingeklebt.
Der Leser wird verstehen müssen,
der angelegte Spannungsbogen
das Blatt oft zu zerreißen droht.
Das Konzert beginnt zu wogen
oho – etwa entlehnt aus Siegfrieds Tod?


Der dritte Satz und auch der vierte
enthalten Pausen, schmucklos schlicht,
die der Schöpfer nicht verzierte,
denn auch der Hörer ist erpicht
auf solche Stellen immer dann,
damit, wenn’s rundum windstill schweigt
er einmal kräftig husten kann,
was sich zum Bühnenrand verzweigt.
Das Taschentuch beginnt zu knistern,
die Seitenzahl ist durchgeblättert,
man kann zum Nachbarn leise flüstern:
Oh, wie die Trompete schmettert!“


So ist die ganze Symphonie,
das zeigt sich im Verlauf der Dinge,
in den Einzelheiten nie
nur ein robustes Tongeschlinge.
Eben auch nicht nur Klangfabrik
mit klebrigsüßen Schallcollagen
sondern ein stilvolles Stück Musik
mit durchaus schwierigen Passagen.
Es zieht womöglich bis ganz hinten
das Publikum in seinen Bann.
Man muß nur ein Orchester finden,
das das Werk auch spielen kann.


Dietmar Lex

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